Produktion
in Lehre, Forschung und Entwicklung

Unsere Meinung

Den „Dipl.-Ing.“ als Abschlussgrad erhalten

Die Ausbildung in den Studiengängen der Produktionstechnik in Deutschland gilt weltweit als führend. Markenzeichen dieser Ausbildung ist der seit über 100 Jahren vergebene Abschluss mit dem Titel „Diplom-Ingenieur“ („Dipl.-Ing.“). Mit der Bologna-Reform, an deren Umsetzung die Institute der WGP im Bereich des Maschinenbaus maßgeblich beteiligt waren, wurde nun das zweistufige Studiensystem mit Bachelor und Masterstudiengängen eingeführt.
Die ersten Erfahrungen mit den neuen Studiengängen zeigen positive Aspekte, aber auch, dass erheblicher Nachbesserungsbedarf besteht. Dies betrifft vor allem:
  • Unklarheit der Bedeutung der Abschlüsse für den Arbeitsmarkt. Bachelor und Master werden für geisteswissenschaftliche, naturwissenschaftliche und technische Studiengänge vergeben. Die Ingenieurausbildung ist nicht mehr direkt erkennbar.
  • Der TU-Bachelor wird in der Industrie vielfach als nicht sinnvoll angesehen. Das Qualifikationsniveau des Dipl.-Ing. wird erst nach Abschluss eines Masterstudienganges erreicht.
  • Der Übergang vom Bachelor- zum Masterstudiengang ist für die Studierenden nicht transparent und führt zu Verzögerungen im Studienablauf.
Vor diesem Hintergrund fordert die WGP:
  • Der akademische Grad „Diplom-Ingenieur“ („Dipl.-Ing.“) muss als Markenzeichen deutscher Ingenieurausbildung in der Produktionstechnik erhalten bleiben. Dies kann auch im zweistufigen Studiensystem erreicht werden, indem bei erfolgreichem Abschluss eines Masterstudienganges der Titel „Dipl.-Ing.“ vergeben wird.
  • Der Dipl.-Ing. als Ergebnis eines Masterstudienganges ist Regelabschluss für die Vertiefung Produktionstechnik an den technischen Universitäten. Der Bachelor-Abschluss dient als Drehscheibe zum Wechsel zwischen Universitäten, national wie international. Um dies den Studierenden zu ermöglichen, sind einfache Regelungen für konsekutive Studiengänge notwendig. Auch Joint Degree Programme nach internationalem Vorbild, bei denen die Studierenden sich gleichzeitig für Bachelor- und Masterstudiengang einschreiben, können erlaubt werden.

Produktionstechnik für die Elektromobilität

Die Automobilindustrie gehört in Deutschland mit rund 755 000 Beschäftigten und einem jährlichen Umsatz von ca. 290 Mrd. Euro zu den wichtigsten Industriezweigen und Arbeitgebern. Aufgrund der derzeitigen Mobilitätsdiskussion, die insbesondere durch den inzwischen irreversiblen Klimawandel ausgelöst wurde, steht sie aber heute vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Zukunftsvision ist die breite Integration von elektrischen Antrieben, entweder als Hybrid- oder reiner Elektroantrieb. Fahrzeuge mit Elektroantrieb bieten große Potenziale zur Verringerung der verkehrsbedingten CO2-Emissionen sowie der Abhängigkeit von Erdölimporten.
Nicht nur die Fahrzeughersteller als Entwickler und Finalproduzenten selbst, sondern insbesondere auch deren mittelständischen Zulieferer und Ausrüster müssen sich den Anforderungen und Entwicklungen der Elektromobilität stellen. Um zu gewährleisten, dass Deutschland in diesem Bereich weiter seine Führungsposition sichert, ist es dringend geboten, deutsche mittelständische Zulieferer für die produzierende Wertschöpfung zukünftiger Elektromobilität zu qualifizieren.
Die Bundesregierung hat das Thema Elektromobilität in das Integrierte Energie- und Klimaprogramm aufgenommen und eine Reihe von Initiativen zur Forcierung der Elektromobilität gestartet. Die bisherigen geförderten Aktivitäten sind aber insbesondere auf die Entwicklung von Systemkonzepten und deren prototypische Umsetzung fokussiert. Die neue Herausforderung besteht nun in der Entwicklung und Umsetzung serienfähiger Fertigungstechnologien für die wirtschaftliche Herstellung von Komponenten für die Elektromobilität.
Serienfähige Fertigungstechnologien für die Elektromobilität bedeuten nicht nur einen echten Innovationsvorsprung für die deutsche Automobilindustrie, sie garantieren auch die langfristige Sicherung von Arbeitsplätzen in Deutschland. Die Wissenschaftliche Gesellschaft für Produktionstechnik (WGP) wird ihren Beitrag dazu leisten und hat deshalb das Thema „Produktions- und Effizienztechnologien für die Elektromobilität“ als eines der Leitthemen für die nächsten Jahre definiert. 
 

Ingenieurpromotion

Die WGP unterstützt voll und ganz die Meinung von acatech zur Ingenieurpromotion.
Der Verlauf und die Ergebnisse der Ingenieurpromotion in Deutschland sind insgesamt gesehen sehr zufrieden stellend. Die Universitäten bilden hoch qualifizierten wissenschaftlichen Ingenieurnachwuchs aus, und die promovierten Ingenieurinnen und Ingenieure erfahren national wie international in Wissenschaft und Wirtschaft eine ausgesprochen große fachliche Anerkennung. Die Ingenieurpromotion an deutschen Universitäten, die durch eine weitgehend selbständige Tätigkeit in Forschung, Lehre und Projektarbeit gekennzeichnet ist, ermöglicht eine umfassende Kompetenzentwicklung der Doktoranden und ist ein Alleinstellungsmerkmal der deutschen Ingenieurwissenschaften im internationalen Vergleich.

Weiterführende Links

WGP_meint_Ingenieurpromotion.pdf

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Last modified 04.Nov 2010